Jeanne Lux, Züchterin von Limousin-Rindern

Interview mit Jeanne Lux >

Züchterin von Limousin-Rindern in Erpeldingen und Präsidentin des Vereins « Limousin Lëtzebuerg » in Luxemburg

Nach zehn Jahren Arbeit an der Seite ihres Vaters und ihres Onkels übernahm Jeanne Lux im Jahr 2023 die Zucht von Limousin-Rindern auf dem elterlichen Hof. Gleichzeitig trat sie die Nachfolge als Präsidentin des Vereins « Limousin Lëtzebuerg » an – eine Entscheidung, die für diese junge, leidenschaftliche Landwirtin alles andere als ein Zufall war.

SSL: Können Sie uns Ihren aktuellen Hof und seine Geschichte vorstellen?

Unsere Familiengeschichte auf diesem Hof ist noch nicht sehr alt, zumindest was die Mutterkuhzucht betrifft. Sie reicht im Grunde bis zu meinem Großvater und vor allem zu meinem Vater zurück.

Mein Vater, ursprünglich gelernter Tischler, begann gemeinsam mit meinem Onkel, den kleinen Hof meines Großvaters neben ihren eigentlichen Berufen Schritt für Schritt auszubauen. Zunächst hielten sie Hühner, dann Truthähne und später Ziegen – bis mein Vater sich schließlich seinen Traum erfüllte und seine erste Kuh kaufte: eine Limousin.

Von da an gab es kein Zurück mehr. Er vergrößerte nach und nach den Bestand, und da die Tiere Weideflächen benötigten, wurde auch das Land kontinuierlich erweitert. Heute zählen wir rund 110 Kühe auf 250 Hektar. Dabei konnte sich mein Vater stets auf die Unterstützung meiner Mutter verlassen, die selbst aus einer Milchbauernfamilie stammt und diese Entwicklung mitgetragen hat.

SSL: Warum Mutterkühe und keine Milchkühe? Warum gerade diese Rasse?

Es war die Leidenschaft meines Vaters für Rindfleisch, die ihn zur Mutterkuhzucht führte – Milchkühe kamen für ihn nie infrage.

Was die Rasse betrifft, hat er zeitweise versucht, Charolais-Rinder einzukreuzen. Nach einigen Versuchen kehrte er jedoch schnell zu seinen ursprünglichen Favoriten zurück. Limousin-Rinder zeichnen sich durch ihren ruhigen Charakter, problemlose Geburten und eine hervorragende Fleischqualität aus – weder zu fett noch zu mager.

SSL: Züchterin von Mutterkühen – eine Berufung?

Ich denke, mein Vater hat mir seine Leidenschaft schon sehr früh mitgegeben. Soweit ich mich erinnern kann, wollte ich immer diesen Beruf ausüben.

Ich habe die landwirtschaftliche Technikerschule in Ettelbruck besucht und mich früh auf die Mutterkuhzucht spezialisiert, insbesondere auf Limousin-Rinder. Meine beiden Praktika absolvierte ich bei einem Züchter in der Haute-Vienne in Frankreich.

Was mir besonders gefällt, ist das natürliche Aufwachsen der Kälber bei ihren Müttern. Dieses Bild – Kälber, die neben ihren Müttern auf der Weide herumtollen – ist für mich etwas ganz Besonderes und in der Milchviehhaltung nicht immer selbstverständlich.

Auch die Geburten faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Unsere Kühe kalben das ganze Jahr über, und es gibt kaum etwas Schöneres, als morgens in den Stall oder auf die Weide zu kommen und ein Kalb zu entdecken, das in der Nacht geboren wurde – ganz ohne menschliches Eingreifen.

Als ich 2023 den Hof übernahm, stellte sich für mich daher nie die Frage, die Rasse zu wechseln. Ich schätze die Limousin-Rinder und ihre vielen Qualitäten sehr.

SSL: Erzählen Sie uns etwas über Ihre Zuchtmethoden.

Unsere Kälber bleiben bis zu acht Monate bei ihren Müttern – man spricht von „Kälbern unter der Mutter“. Sie verbringen so viel Zeit wie möglich im Freien, in der Regel von Mitte März bis Mitte November, abhängig von den Wetterbedingungen.

Im Winter werden sie in einem halboffenen Stall gehalten, der sowohl Licht als auch eine gute Belüftung bietet. Die Kühe leben in Gruppen von etwa sechs Tieren. Die Kälber können entweder bei ihren Müttern bleiben oder sich in einen eigenen Bereich zurückziehen – gewissermaßen ein „Spielraum“.

Bei der Fütterung legen wir großen Wert auf eine ausreichende Wasserversorgung und möglichst lokale Futtermittel. Unsere Flächen ermöglichen nicht nur das Weiden, sondern auch den Anbau von Mais und Winterfutter.

Kranke Tiere werden in separaten Bereichen untergebracht und gezielt behandelt, um die Herde zu schützen. Vorbeugende Behandlungen ohne Symptome lehnen wir ab. Allerdings impfen wir unsere Kälber zu Beginn der Wintersaison gegen Grippe.

Außerdem verzichten wir auf künstliche Besamung. Mit acht Bullen erfolgt die Fortpflanzung auf natürliche Weise – mit sehr guten Ergebnissen, da nahezu jede unserer Kühe jährlich ein Kalb bekommt.

Auch wenn unser Betrieb bereits gut aufgestellt ist, bleiben wir offen für neue Ansätze, die das Tierwohl weiter verbessern können.

SSL: Wo sind Ihre Produkte erhältlich und unter welchen Labels arbeiten Sie?

Das Fleisch unserer Kühe und Färsen wird unter dem Label « Produit du terroir Lëtzebuerg » vermarktet und ist in den meisten luxemburgischen Metzgereien sowie in einigen Supermärkten erhältlich.

Unsere männlichen Kälber werden unter dem Label « Rëndfleesch vum lëtzebuerger Bauer » über Cactus verkauft. Da wir nicht die Kapazität haben, alle Tiere selbst zu mästen, arbeiten wir hier mit spezialisierten Betrieben zusammen.

Direktvermarktung betreiben wir derzeit noch nicht, ziehen dies jedoch mittelfristig in Betracht.

SSL: Wie sehen Sie als Präsidentin von « Limousin Lëtzebuerg » die Zukunft der Mutterkuhzucht in Luxemburg?

Seit etwa zehn Jahren ist ein Rückgang der Mutterkuhbestände in Luxemburg zu beobachten, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Dennoch halte ich es für entscheidend, dass Kühe weiterhin ein fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft bleiben.

Die Limousin-Rasse gehört nach wie vor zu den führenden Mutterkuhrassen. Unser Verein « Limousin Lëtzebuerg », der rund 120 Züchter und Besitzer vereint, engagiert sich aktiv für ihre Förderung.

Neben dem Austausch unter Züchtern und der Interessenvertretung organisieren wir unter anderem eine jährliche Jungvieh-Ausstellung – eine Art „Schönheitswettbewerb“ für Rinder, der öffentlich zugänglich ist und jeweils am dritten Samstag im Januar stattfindet.

Im kommenden Jahr feiern wir zudem das 55-jährige Bestehen der Limousin-Rasse in Luxemburg. Derzeit planen wir verschiedene Maßnahmen, um dieses Jubiläum auch öffentlich sichtbar zu machen.

SSL: Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern noch etwas mitgeben?
Wenn Sie Rindfleisch konsumieren, greifen Sie möglichst zu luxemburgischen Produkten. Neben kürzeren Transportwegen und einer geringeren Umweltbelastung profitieren Sie von einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit.

Vor allem aber unterstützen Sie damit die heimische Landwirtschaft – und tragen dazu bei, das vertraute Bild von Kühen und Kälbern in unserer Landschaft zu bewahren.

 

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